Das blaue Band

startbildBlaues Band, so bezeichnet sich eine Initiative des Landes Sachsen-Anhalt zur Entwicklung des Wassertourismus. Seit Menschengedenken führen zahlreiche Wasserwege durch Sachsen-Anhalt und Thüringen. An Saale, Elbe, und Unstrut haben Könige und Kaiser ihre Spuren hinterlassen.
Unsere Tour führte uns von den Steillagen in der Weinregion Saale-Unstrut im Süden vorbei an Klöstern und Schlössern, mittelalterlichen Städten und erstaunlichen Landschaften bis zur Mündung der Saale in die Elbe und noch ein Stückchen weiter.

Ein Bericht von Ulrike Ammermann mit Fotos der Teilnehmer aus der Ruder Riege Rot-Gelb sowie der RG HANSA.


Rückblende

In Hamburg perlt der Regen gerade so sanft und ausdauernd wie eine teure Regendusche im Luxushotel, nur nicht ganz so warm vielleicht. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt, ich mag meinen Alltag in der Hansestadt. Das muss hier so. Regen mitten im Sommer, Jahreszeiten, also noch drei weitere außer Sommer, das ist alles ganz richtig so und soll sich bitte jedes Jahr erwartbar wiederholen. Ich möchte keinesfalls digitaler Nomade sein und mein ganzes Leben an irgendwelchen Palmen bestandenen Karibikstränden verbringen müssen.

Trotzdem, manchmal muss man raus. Schon um hinterher wieder schätzen zu können, wie gemütlich und verlässlich das eigene Bett und die ganz persönlichen Routinen sind. Danach finde ich auch Regenduschen-Regen irgendwie wieder lustig. Raus muss nicht zwingend weit weg oder irre exotisch bedeuten, kann man machen, aber man kann auch einfach nach Thüringen fahren, an die Unstrut. Die mäandert ganz gemächlich durchs Land, fließt nach Sachsen-Anhalt hinein, dort in die Saale, die wiederum in die Elbe, die später ins Meer fließt. Gegen Ende schon ein wenig eiliger. Aber da sind wir noch nicht.

Der Anfang

Erst mal fuhren wir frühmorgens (Woher kommt eigentlich diese bescheuerte Regel, dass Urlaube immer, wirklich immer frühmorgens anfangen?) in Hamburg los. Wir nahmen zwei Boote mit, einen erstaunlich großen Haufen Packsäcke, Pausenbrote, Kaffee und was sonst noch so alles notwendig ist, um ein paar Stunden Autofahrt zu überleben. Unser Ziel das kleine Städtchen Artern, das an einer Schleife der Unstrut liegt. Hier gibt es einen Kanuverein mit eigenem Steg, an dem wir die Boote zu Wasser lassen konnten. Und dann sind wir los gerudert. Rechts und links grünte es fröhlich vor sich hin, in der Mitte ein ruhiger, langer Fluss, ab und an unterbrochen von einer Schleuse. Rund 30 Kilometer lagen bis Karsdorf vor uns. Eine sehr gemächliche Tagesleistung, so dass genügend Zeit für Schleusen und angrenzende Biergärten und überhaupt allerlei Pausen blieb. So muss das. Abends grillten wir und tranken ein Feierabendbier. Übernachtetet haben wir in großen weißen Tippis auf einem Campingplatz.

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Rast im Biergarten an der ersten Schleuse, da waren wir noch keine 10 km unterwegs.

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Weingut Deckert in Freyburg. Wie schmeckt denn nun der Saale-Unstrut-Wein? Und was ist eine Fettbemme?

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Auf der Unstrut. Anfangs gab es einige Nadelöhre, aka Brücken, z.B. die Brücke von Memleben, die schon einige Ausleger auf dem Gewissen haben soll.

Die Strecke

Am nächsten Tag haben wir das Ganze im Prinzip wiederholt. Wieder so 30 Kilometer gerudert, wieder eifrig Pausen eingelegt. Das mussten wir so machen: Hinter Karlsdorf haben wir nämlich das Weingebiet entdeckt, das an der Unstrut die Hänge hochklettert. Und wo Weinberge sind, finden sich auch kleine Wirtschaften. Die müssen natürlich aufgesucht werden und wo wir schon mal da waren, haben wir rasch einen Weißburgunder getrunken. Nachdem wir wussten, wie der schmeckt, mussten wir dringend überprüfen, ob der Grauburgunder besser ist. Vielleicht der Chardonnay? Davon bekommt man Hunger, wenn man den von der mäßigen sportlichen Betätigung nicht eh schon hatte. Also Schmalzbrote mit eingelegten Gurken und Leberwurstbrote, Blutwurstbrote, ach was, die ganze Schlachteplatte. Danach täte ein Gläschen Wein gut! Vielleicht der Riesling, den haben wir noch gar nicht probiert und diesen Müller-Turgau. Du verstehst das Prinzip, so kann man keinesfalls mehr als 30 Kilometer rudern. Nun wirklich nicht.

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Die Suche nach der nächsten Straußwirtschaft dauerte nicht lang! Im Hintergrund kann man die Neuenburg über Freyburg erahnen. Klar, das auch ein Stop bei der Sektkellerei Rotkäppchen und der Ur-Sporthalle des Turnvaters Jahn sein musste!

Die Abwege

Dann und wann überkam es uns und wir haben doch mal eine Kirche, zum Beispiel die Marienkirche in Freyburg besichtigt. Man sollte der Verblödung Einhalt gebieten, wo man nur kann. Natürlich erst, nachdem wir ein Eis gegessen hatten und anschließend lag zufällig auch gleich wieder ein Weingut mit eingebauter Wirtschaft am Wegesrand. Allerdings auch Dome (oder muss die Mehrzahl Dame heißen?), der von Naumburg zum Beispiel und der in Merseburg. Es gab Burgen, wie die Neuenburg, die über Freyburg thront oder Schloss Plötzkau an der Saale. Ein besonders tolles Schloss ist Schloss Bernburg, das sich in rot, weiß und blau gefachwerkt über der gleichnamigen Stadt erhebt.

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Da geht es lang: Vom Vorplatz der Kirche St. Marien in Freyburg hat man einen guten Blick auf die Weinberge.

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Unsere erste Schleuse wurde noch mit Muskelkraft betrieben. Auf der Saale gab es dann vorwiegend ferngesteuerte Schleusen.

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Wildes Camping ist nicht zu empfehlen. Zum Glück gab es keinen Mangel an Pensionen und Ruderklubs.

Das Wetter

So mitteldeutsch halt. Machen wir uns nix vor. In Deutschland kann die Sonne scheinen und dann kann es auch sommerliche 28 Grad warm sein. Muss es aber nicht. Genauso schnell kann das Thermometer hinuntersausen, es kann nieseln, tröpfeln, ausgewachsen regnen, Wind kann aufkommen … und dann kitzelt einen wieder die Sonne. Immerhin freut man sich dann viel ausführlicher darüber als in der Karibik.

Die Planung

Ein bisschen mehr planen als bei einem All-Inclusive-Urlaub muss man schon. Eine Wasserwanderkarte um rauszufinden, wo sich Untiefen befinden, Brücken, Schleusen und natürlich Boots-Stege. Die liegen gerne vor Ruder- oder Kanuclubs, wo man praktischerweise die Boote über Nacht liegen lassen kann. In manchen Vereinshäusern kann man auch übernachten. Entlang der Unstrut oder Saale finden sich aber auch immer Pensionen gleich um die Ecke. Vielleicht ist es ein wenig umständlicher als ein All-Inclusive-Urlaub, dafür aber deutlich lustiger. Schon weil immer wieder wichtige Fragen geklärt werden müssen: Grillen oder Essen gehen, Wein trinken oder Bier, Übernachten im Zelt, im Vereinshaus oder in der Pension nebenan? Und dann muss man die getroffene Entscheidung auch noch umsetzen. Schlimm.

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Das Renaissanceschloss der Fürsten und späteren Herzöge von Anhalt-Bernburg  erhebt sich auf hohem Sandsteinfelsen am östlichen Saaleufer.

 

Würden wir es wieder tun?

Zurück in Hamburg ergab eine durchaus leidenschaftlich geführte Kurzumfrage unter den Teilnehmern ein eindeutiges: Ja, aber! Kurz wurde sogar die Frage angerissen, ob man nicht am verlängerten Wochenende rund um den Tag der deutschen Einheit im Oktober eben eine letzte Wanderfahrt im Jahr 2016 … Aber, da waren sich alle Redner der Blitzlichtumfrage einig, es müsse wieder so sonnig und harmonisch zugehen.

Ferner sei ein gemächlich dahin treibender Fluss eine gute Grund-, äh, Wasserlage für ein derartiges Unterfangen sowie die Anwesenheit freundlich gesinnter Ruderklubs und benachbarter Pensionen. Nahezu unabdingbar aber, da waren sich alle Diskutanten einig, seien Weinproben. Wenn man es recht bedenke, seien die eine, ach was nein: die Condition sine qua non einer gelungenen Wanderfahrt.

Anders gesagt, Leute, wenn ihr keine Weinproben (in absoluten Krisenregionen ohne Weinanbau notfalls zu ersetzen durch Bierproben) vornehmen könnt, könnt ihr auch gleich zu Hause bleiben. Da ist es schließlich auch schön.

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Der Sandmann, Pittiplatsch und Schnatterinchen: da werden bei einigen Teilnehmern Kindheitserinnerungen wach.

 

  • Service

    Etappenlängen, potentielle Rast- Gast- und sonstige Stätten  unterwegs, und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es hier:

    ETAPE

    LÄNGE

    ZWISCHENSTOPS

    ÜBERNACHTUNG

    Von Artern nach Karsdorf (Unstrut)

     Unstrut km 25

    Ritteburg/ Biergarten

    Zeltplatz Karsdorf / Nebra

    Von Karsdorf nach Naumburg (Unstrut/ Saale)

     Saale km 158 Weingut? Ruderclub Naumburg/ Pension Hallescher Anger

    Ausflug von Naumburg (Saale) nach Freyburg (Unstrut) und zurück

     Unstrut km 5 Weingut Deckert (Freyburg)  in Naumburg

    Von Naumburg nach Bad Dürrenberg (Saale)

     Saale km 124

    Merseburg

    Kanu-Club Bad Dürrenberg/ Gasthof Saalestrand
    Von Bad Dürrenberg nach Halle (Saale)  Saale km 96 Brachwitz Biergarten

    Ruderverein Halle -Böllberg

    Von Halle nach Kloschwitz (Saale)  Saale km 67

    Brachwitz Biergarten

    Campingplatz Kloschwitz/ Pension Gut Trebitz

    Von Kloschwitz nach Bernburg (Saale)  Saale km 36

    Beesenlaublingen

    Bernburger Ruderclub
    Von Bernburg nach Schönbeck (Elbe)  Elbe km 309 Barby Biergarten Ruderverein Schönebeck/ Schiffshotel Sonnenschein

 

Zum Flickr-Album

Blaues Band Blaues Band Sachsen-Anhalt Übersichtskarte Saale-Unstrut

Kanu-Verleih Nebra Arche Nebra Youtube: Secret Wine Tour

mathildemag.com

2 Kommentare zu "Das blaue Band"

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    Hans-Heinrich Busse
    21. September 2016 (20:14)
    Antwort

    Die Fahrt ist ganz originell geplant und noch origineller beschrieben von den jungen (!) Wanderruderern. Es macht richtigt Spaß zu lesen wie und wo ihr unterwegs wart. Deutschlands und Europas Gewässer wollen berudert werden!

  • comment-avatar
    Gerhard Boehm
    25. September 2016 (19:03)
    Antwort

    Vielen Dank für den lebendigen Bericht von Unstrut und Saale, die mir seit 1944 vertraut sind . 1944 wurde ich mit Mutter und Bruder nach Karsdorf evakuiert. Und 1989 habe ich, nach der Öffnung der Grenzen, Karsdorf und Naumburg wiedergesehen. Das Highlight ist der Blick von der Saale hinauf auf die Bernburg.


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