Gilde-Tour: Von der Bastei zum Brauhaus in Wittenberg

Verträumt schlängelt sich die Elbe am Elbsandsteingebirge vorbei. In diesem heißen Sommer ging die jährliche Barkentour der HANSA-Gilde in sieben Tagen von Wehlen nach Wittenberg.
Bericht: Gerhard Boehm // Fotos: Michael Meineke, Axel Flaig sowie Rupprecht Matthies

Die Barken-Mannschaft setzte sich aus der seit vielen Jahren erprobten Stammbesatzung und einem Neuzugang zusammen, der fast allen Ruderern bekannt war, der aber noch nie bei einer Ruderwanderfahrt dabei war. Er wird hoffentlich auch bald zu der Stammbesatzung gehören, worüber sich bestimmt alle Teilnehmer ausnahmslos freuen würden. Er war eine echte Bereicherung unserer Gemeinschaft, die bei dieser Tour aus dem „VL“ Manfred und dem Senior Ernst A., sowie den „Antriebskräften“ Günter I, Michael, Axel, Peter, Rupprecht, Jörn, Günter II und Gerhard bestand.

Das Niedrigwasser der Elbe erforderte einen nicht eingeplanten außergewöhnlichen Startpunkt der diesjährigen Barkentour der HANSA Gilde. Denn noch niemals zuvor mussten die Alten Herren beim Start ihrer Jahrestour auf ihre Barke verzichten und stattdessen die Wanderfahrt auf der Aussichtskanzel der Bastei des Elbsandsteingebirges beginnen.

Einsatzstelle gesucht

Von hoch oben betrachteten zehn Ruderer die Elbe und suchten verzweifelt nach einer Einsatzstelle für ihre gemietete Barke „Hammonia II“. Alle sahen tief unten die Schiffsanleger von Rathen und Wehlen und erinnerten sich daraufhin an einen Spruch des Volksmundes: „Wenn Du zwischen Rathen und Wehlen wählen dürftest, würde ich Dir raten, Wehlen zu wählen!“

Natürlich klappte es dann auch vorzüglich mit dem Slippen der Barke in Wehlen und schon bald war man startklar und ruderte zum Pirnaer Ruderverein 1872 e. V. – mit dem gleichen Gründungsjahr wie unsere Ruder-Gesellschaft. Dort haben wir dann auch auf deren Elbterrasse zu Abend gegessen und den Sonnenuntergang über dem nicht allzu weiten Dresden bewundert.

Besuch im Jagdschloss

Am nächsten Tag starteten wir früh, weil wir rechtzeitig vor einem Gewitter unser Ziel Radebeul und das Hotel in Moritzburg erreichen wollten. Dort besuchten wir am Mitsommerabend das berühmte Lust-und Jagdschloss von August dem Starken, der sich dort von seiner Regierungsarbeit erholte. Wir waren zur späten Stunde dort fast allein, wo sich tagsüber sehr viele Touristen drängen. Wir genossen den einmalig schönen Abendhimmel und staunten über die großartige Schlossanlage.

Am dritten Rudertag erreichen wir Riesa und unser Landhotel in einem ehemaligen Bauernhof im kleinen Ort Moritz. Bemerkenswert ist, dass die einst enteignete Familie ihren Hof heruntergekommen und abgewirtschaftet zurückerhalten hat und mit Tatkraft dort ein passables Landhotel eingerichtet hat.

Von Riesa war es nicht weit bis Mühlberg, bekannt durch die Schlacht zwischen dem katholischen Heer des Kaisers und dem protestantischen Heer des Schmalkaldischen Bundes 1547. Die Schlacht bei Mühlberg bereitete den Augsburger Religionsfrieden von 1555 vor, in dem der lutherische Glaube reichsrechtlich anerkannt und der römisch-katholischen Konfession gleichgestellt wurde. Unsere Barke ankerte beim dortigen Ruderverein während wir im Landhotel Moritz das „Kroosartige“ Fußballländerspiel gegen die schwedische Mannschaft in der jetzt zu einem Veranstaltungssaal umgebauten Scheune ansahen.

Besuch in Torgau

Am fünften Rudertag erreichen wir wohlbehalten Torgau und den Torgauer Ruderverein, der 1945 alle seine Ruderboote verlor, weil die amerikanischen Soldaten damit die damaligen verbündeten russischen Alliierten auf der anderen Seite der Elbe besuchten und dabei die empfindlichen Sportboote völlig demolierten. 70 Jahre später erinnerten die Torgauer Ruderer mit einer Erinnerungstafel an dieses Ereignis – ohne jedoch den Totalverlust ihrer Boote zu erwähnen.

Wunderschön anzusehen ist inzwischen das sanierte prachtvolle Renaissanceschloss „Hartenfels“ in Torgau. Die Blau eingefassten Fassaden im Innenhof mit dem berühmten Wendelstein und der Schlosskapelle, die 1544 von Martin Luther selbst eingeweiht wurde, erinnern an die Zeit als Torgau noch sächsische Residenzstadt war, bevor es später Dresden wurde.

Am nächsten Tag ruderten wir von Torgau 30 km bis Pretzsch. Dieser kleine Ort war bis 2009 eine selbständige Stadt, deren Einwohnerzahl sich nach der Wende und Beendigung des Kurbetriebes von etwa 3.000 auf heute unter 1.000 Bewohner reduziert hat. Auch das ist ein Teil der heutigen deutschen Wirklichkeit. Pretzsch gehört heute zur Stadt Bad Schmiedeberg und setzt seine Hoffnungen auf die Zunahme des sanften Tourismus.

Abschluss in Wittenberg

Am siebten und letzten Rudertag erreichten wir die Lutherstadt Wittenberg und somit auch das Hotel im Brauhaus inmitten der Altstadt. Hier endete unsere Barkentour mit einem ausgiebigen Putzen unserer Barke Hammonia II und einem großen Abschlussessen im romantischen Innenhof des Brauhauses.

elbtour 2018 Pirna

Still ruht die Elbe bei Pirna am Abend.

Raddampfer "Stadt Wehlen" auf der Elbe

Nostalgie: Der Raddampfer „Stadt Wehlen“ zieht seine Runden.

Es gab auch mal Regen und Wind

Gut geschützt: Es gab zwischendurch auch einmal ordentlich Regen und Wind.

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Pause im Quartett – Gerhard, Rupprecht, Manfred und Günter I.

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Gedenktafel am Bootshaus des Torgauer Rudervereins für den 26. April 1945: In Erinnerung an das historische Zusammentreffen der alliierten Amerikaner und der Rote Armee bei Torgau.

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Der Innenhof des prachtvollen Renaissanceschloss Schloss Hartenfels. Hier der Wendelstein und Hausmannsturm.

Stadtführung in Torgau

Hauch der Geschichte: Stadtführung in Torgau.

Schloss Moritzburg mit Axel, Michael, Jörn und Gerhard

Schloss Moritzburg mit Axel, Michael, Jörn und Gerhard.

1 Kommentar zu "Gilde-Tour: Von der Bastei zum Brauhaus in Wittenberg"

  • Frank Schmidt
    13. August 2018 (12:58)
    Antwort

    Der beschriebene Abschnitt auf der Elbe hat auch uns auf der Tour im letzten Jahr besonders gut gefallen. Schlau, das ihr genügend Zeit für Besichtigungen eingeplant habt.


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