Jugendwanderfahrt Schweden 2026

Text / Fotos: Pauline Schießwohl


Schon früh war uns klar, die fünfte Wanderfahrt mit den Jugendgruppen der RG HANSA und des RV Teichwiesen sollte dort stattfinden, wo unser Projekt begann: im schwedischen Dalsland nahe der norwegischen Grenze, auf dem Stora Le und Lelång. Und so starteten wir erneut mit der Planung, kurz nachdem wir aus Finnland zurückgekehrt waren. Die Route sollte die gleiche sein, nur an der Gruppengröße hat sich was getan und auch die Junioren sollten zum ersten Mal ihre eigene Fahrt bekommen.

Dieses Jahr ging es wenige Tage nach dem Bundeswettbewerb in Münster, am 08.07 direkt weiter mit dem Verladen für die Wanderfahrt. Nachdem die zwei Anhänger mit neun Booten verladen waren und alles Essen und Gepäck in den vier Bussen verstaut war, machten sich alle auf den Weg nach Hause, um noch ein paar Stunden Schlaf vor der frühen Abfahrt zu bekommen.

Pünktlich um 04:00 Uhr morgens rollte die Kolonne mit dem Großteil der Gruppe vom Hof und machte sich auf den Weg zum etwa 900 km entfernten Campingplatz in Bengtsfors.

Nach einer langen Reise erreichte auch der letzte Bus, nach einem Abstecher zur schwedischen Autowerkstatt, um 19:20 das Ziel. Erschöpft, aber glücklich wurden die Zelte aufgebaut und es gab Nudeln mit Bolognese zur Stärkung. Anschließend wurden drei Busse von den Betreuern noch um die Seen verteilt, um dort im Laufe der Wanderfahrt das Essen auffüllen zu können. Bei dieser nächtlichen Fahrt konnten einige Wildtiere, unter anderem auch ein Elch, gesichtet werden. Leider war dies auch der einzige Elch, den wir in der gesamten Zeit entdecken konnten.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten waren wir zwar einigermaßen erholt, aber noch nicht komplett, denn es fehlten noch die neun Fährkinder die gemeinsam mit Emil von Kiel nach Oslo unterwegs waren. Während sich der Großteil der Gruppe also schon auf den Weg zur ersten Insel machte, sammelten ein paar Betreuer die restliche Gruppe ein und kümmerten sich um die letzten Einkäufe. Etwas verzögert startete auch diese Gruppe zur ca. sieben Kilometer entfernten ersten Insel. Als schließlich alle 38 Kinder mit den sieben Betreuern vereint waren, konnte die Wanderfahrt so richtig losgehen.

Am nächsten Morgen starteten wir mit allen neun Booten gemeinsam auf die zweite Etappe. Bei bestem Wetter ging es acht Kilometer über den Lelång, um dann auf Taraldsön nach einer Knäckebrot Pause mit Käse unsere Zelte aufzuschlagen und zur Abkühlung eine Runde Baden zu gehen.

Im Laufe der nächsten Tage mussten wir feststellen, dass das Dalsland in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen hat und wir uns die Seen mit deutlich mehr Kanus als noch 2022 teilen mussten. Um trotzdem noch gute Lagerplätze für unsere große Gruppe abzubekommen, starteten wir unsere Etappen schon früher und verlegten die Knäckebrotpause häufig auf unsere Zielinsel, die wir schon Mittags erreichten. Dadurch konnte der Nachmittag mit Baden, Blaubeeren sammeln und Schnitzen verbracht werden, bis sich die Kochgruppe ums Abendessen kümmerte und leckere Nudeln, Reis oder Cous Cous zubereitete. Im Anschluss konnten am Lagerfeuer noch Stockbrot oder Marshmallows gebraten werden, bis irgendwann alle in den Zelten verschwunden waren. Ein Teil der Betreuer verbrachte die Nacht häufig im Shelter an der Feuerstelle, wo sich teilweise auch schon vor vier Jahren die Gruppe mit Edding verewigt hatte, und so auf jeder Insel die Suche nach den Vereinsnamen zwischen den vielen Unterschriften in den Holzverschlägen startete.

Am fünften Tag unserer Reise wartete ein Highlight auf uns, die dreistufige Schleuse in Lennartsfors, für viele der Kinder war es das erste Mal Schleusen im Ruderboot. Durch die vielen Boote zog sich das Spektakel dann aber doch sehr in die Länge und alle waren froh, bei über 30 Grad endlich am Campingplatz anzukommen.

Weiter ging es nun auf dem nächsten See, dem Stora Le. Musikalisch immer bestens von den Gesängen der großen Jungs unterhalten, ging es mit „Bella Napoli“ oder „Griechischer Wein“ zur Insel Trollön, die direkt auf der Grenze zwischen Norwegen und Schweden liegt. Vom schwedischen Festland wurde am Abend noch Steven abgeholt, der dann am Lagerfeuer in Norwegen von den Kids mit Stockbrot begrüßt wurde.

Mit spiegelglattem Wasser und strahlendem Sonnenschein ging es die nächsten Tage weiter und am 16.07 wurde schließlich auch Henrik am Festland abgeholt, und machte das Betreuerteam komplett. In den letzten paar Tagen der Kinderwanderfahrt gab es dann doch nochmal den schwedischen Regentag, der sich im Wetterbericht immer mal wieder angekündigt hatte. Einige Kinder verbrachten die Zeit im Zelt, aber der Großteil ließ sich davon nicht abschrecken und saß am Feuer oder ging eine Runde baden, nasser kann es ja nicht werden. Am Abend gab es eine Umfrage auf einem Holzscheit, hier bleiben oder doch noch eine Insel weiter fahren, waren die Optionen. Da sich die Mehrheit für die zweite Option entschied, ging es bei welligen aber halbwegs trockenen Bedingungen am Abend auf die acht Kilometer entfernte Insel mit Sprungfelsen.

Auf unserer letzten Etappe gab es dann nochmal ordentlich Schiebewind, den ein Betreuervierer nutzte, um sich zurückzulehnen und mit Hilfe eines Tarps das letzte Stück bis zum Ziel zu segeln. Am Campingplatz angekommen, wurden vier der neun Boote auf einen Anhänger verladen und alle Sachen sortiert und eingepackt.

Der nächste Morgen startete relativ früh, denn die Abreise stand bevor. Zur Abwechslung gab es Müsli statt Porridge und im Anschluss wurde gemeinsam zum nahegelegenen Bahnhof spaziert. Gemeinsam mit Emil und Erik machten sich die Kinder mit dem Zug auf den Weg nach Oslo, um von dort wieder mit der Fähre nach Kiel zu fahren. Parallel waren schon 19 Junioren auf dem Weg in die entgegengesetzte Richtung. Und während sich so die beiden Schiffe der Color Line um ca. 22 Uhr auf dem Meer begegneten, verblieben die restlichen sieben Betreuer am Campingplatz und nutzten die kleine Auszeit, bevor die Fahrt mit den Junioren startete.

Während sich Jule, Joshua und Steven am 22.07 ebenfalls mit dem Zug auf den Weg nach Oslo machten, um die Junioren an der Fähre abzuholen und sich noch kurz die Stadt anzuschauen, schlief der Rest der Betreuer aus und ging einkaufen. Als die Junioren am frühen Nachmittag in Ed eintrafen, wurden als erste Maßnahme die Handys in den Bussen zurückgelassen, da alle gemeinsam entschieden hatten, die nächsten zehn Tage ohne Handy zu verbringen. Außerdem wurde für die neun Mädels die Zelteinteilung ausgelost, da diese täglich getauscht werden sollte. Verblüfft wurde hierbei festgestellt, dass Lenas Zelt fehlte, zum Glück konnte einige Zeit später festgestellt werden, dass dieses noch nicht auf dem Weg nach Hamburg war, sondern nur aus Versehen im Hänger gelandet ist.

Nachdem auch die Aufgabengruppen eingeteilt waren, bei der dieses Mal, anders als bei den Kindern, auch wir Betreuer zwei Gruppen übernahmen, fingen Kurt, Kaja und Steven an, die Nudeln mit Bolognese zu kochen. Das Essen war sehr lecker und alle haben im Anschluss am Lagerfeuer gemeinsam „Psychiater“ gespielt.

Der nächste Morgen startete mit Müsli und der Abgabe der letzten verbliebenen Handys. Durch den nun vorhandenen Mangel an Handys drängten sich auf dem Wasser alle um die wenigen Handys der Betreuer, um den Livestream der U23 WM zu verfolgen und Jesse in Duisburg zu supporten. Im Anschluss ging es weiter auf die letzten Kilometer zur Insel, auf der Knäckebrot mit Käse und selbstgemachter Blaubeermarmelade gegessen wurde. Danach wurde sich auf die Suche nach neuen Blaubeeren für die nächste Portion Marmelade gemacht und sich zwischendurch mit Klippenspringen abgekühlt.

Und so nahm die Fahrt ihren Lauf, die Etappen waren immer etwas länger als noch bei den Kindern zuvor, die Ladung an Käse etwas größer und die Aufgaben der Betreuer hatten stark abgenommen. Auf dem Wasser fiel den Junioren immer etwas ein, um die Fahrt etwas lustiger zu gestalten, sodass häufige Zehner durch versuchte Flaggenklaumanöver nicht ausblieben und die Fitness der Betreuer herausforderte. Auch der Versuch, mit zwei Vierern Barke zu fahren, gelang und erwies sich als gar nicht so langsame Bootskonstellation.

Auch von dem mittlerweile ordentlichen Wind ließ sich die Gruppe nicht abschrecken, und baute immer wieder durchaus interessante Konstruktionen, um die Feuerstelle zu schützen. Das ein oder andere Loch in der Plane blieb dabei nicht aus, aber ihren Zweck erfüllte sie dennoch. Und so konnten die Sonnenuntergänge am Feuer mit Stockbrot und Marshmallows trotz Wind genossen werden.

Auf der Grenzinsel trafen wir zu unserer Überraschung andere Ruderer und stellten fest, dass es sich um das Schwedencamp der Deutschen Ruderjugend handelte, die zur gleichen Zeit im Dalsland unterwegs waren. Nach einem kurzen Austausch machten wir uns anders als ursprünglich geplant nicht auf den Weg zum Campingplatz vor der Schleuse, sondern entschieden uns für eine weitere Nacht Wildcampen auf einer Insel mit Sprungfelsen, die uns noch von vor vier Jahren in Erinnerung geblieben ist.

Nach einer Inselumrundung entschieden wir uns für den gleichen Schlafplatz von damals, auch wenn dort zur Abwechslung mal kein Shelter vorhanden war. Am Abend gab es sogar Wurst zum grillen über dem Feuer, welche kurz zuvor vom Einkaufsboot, mitgebracht wurde. Die geringere Anzahl an Booten kam uns am nächsten Tag an der Schleuse in Lennartsfors zugute, und wir stärkten uns nach einem schnellen Schleusengang mit Eis und Knäckebrot.

Auf der vorletzten Insel gab es zur Überraschung keine Blaubeeren zu pflücken, dafür wurden Massen an Himbeeren gefunden, die am nächsten Morgen zu Himbeermarmelade verarbeitet werden sollten. Alle waren hochmotiviert und es wurde fleißig gesammelt. Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten, Mats, Fiete und Kurt kamen zum Erstaunen aller tatsächlich mit zwei Hechten und einem Barsch vom Angeln zurück. Diese wurden dann auch über dem Feuer gebraten und nach dem abendlichen Badespaß noch gemeinsam probiert.

Nachdem sich vermeintlich alle ins Bett verabschiedeten und wir Betreuer im Shelter anfingen, unser Lager einzurichten, war an Schlaf nicht zu denken. Der Kleinkrieg zwischen den Jungs und Mädelszelten der am vorherigen Abend begann nahm seinen Lauf und wir Betreuer wurden von den hin und her sprintenden Jugendlichen gut unterhalten. Als schließlich alle Zelte wieder aufgebaut waren, kehrte langsam Ruhe ein. Vom Duft der Himbeermarmelade geweckt, wurden alle Zelte eingepackt und sich auf die neun Kilometer lange Etappe zur letzten Insel gemacht.

Aus dem Plan der Mädels zu neunt in dem Shelter zu schlafen, wo wir Betreuer bisher maximal zu fünft drin geschlafen haben, wurde aufgrund von Platzmangel nach ausgiebiger Testung doch nix. Als Alternative boten wir ihnen das große Betreuertipi an, diese Idee wurde nach einem längeren Mittagsschlaf für Gut befunden und das Shelter doch von uns Trainern bezogen. Mit genügend Energie aus dem Mittagsschlaf, wurde die andere Seite des Sees teils rudernd, teils schwimmend erkundet, um eine geeignete Stelle zum Klippenspringen zu suchen, was sich jedoch als schwierig herausstellte. Anschließend wurde sich beim letzten richtigen Lagerfeuer mit Stockbrot und Marshmallows gestärkt, bevor es nach einem kurzen Mitternachtsbad in den „Trainerpalast“ ging.

Die letzten vier Kilometer zum Campingplatz am nächsten Morgen wurden schnell absolviert, da sich ein Gewitter anbahnte. Das Gewitter blieb aus, nur der Regen kam, der allerdings kaum jemanden vom Baden auf der Schwimmplattform mit Sprungbrett abhalten konnte. Nach dem Regen wurden ein letztes Mal die Zelte aufgebaut und für die Hälfte der Gruppe begann der letzte Abend. Der andere Teil der Gruppe hatte sich entschieden, noch einen weiteren Tag auf dem Campingplatz zu bleiben, um Henrik vor seinem Urlaub nicht alleine in Schweden zurückzulassen.

Der nächste Morgen begann für die Reisegruppe Hamburg schon sehr früh und pünktlich um 08:00 rollten zwei Busse mit den Anhängern, neun Junioren und Kaja, Kurt und Steven vom Campingplatz.

Nach einem gemütlichen Start für die verbliebene Gruppe wurde entschieden zum Aquädukt nach Håverud zu fahren, nach einer 45 minütigen Fahrt über kurvenreichen Landstraßen von denen sich der ein oder andere erstmal kurz erholen musste, wurde die Schleuse und die zugehörigen Antiquitätenläden besichtigt, anschließend ging es noch für eine leckere Waffel in ein nahegelegenes Café. Auf dem Rückweg zum Campingplatz planten die Junioren das Essen und es wurde eingekauft. Gemeinsam wurden am Abend Burger gemacht und mit Volleyball und Schweinchen in der Mitte noch für die nötige Bewegung gesorgt. Nachdem die Sauna getestet wurde, und der „Trainerpalast“ von den Sportlern als geeignete Schlafstätte festgelegt wurde, ließen alle den Abend entspannt ausklingen.

Die Betreuer die nun auf die Juniorenzelte aufgeteilt waren, konnten sich aber einen kleinen Spaß nicht entgehen lassen, sodass Henrik und Pauline bei Jule und Joshua kurzerhand die Luft abließen.

Doch irgendwann musste auch die schönste Zeit enden, sodass wir am nächsten Morgen wohl oder übel beim frühen Wecker aufstehen mussten, um alles schnell zusammenzupacken. Nach einem kurzen Frühstück wurden die zwei letzten Busse bepackt und wir starteten die lange Fahrt zurück nach Hamburg. Bei Malmö mussten wir dann auch von Henrik Abschied nehmen, der kurzerhand das Auto wechselte und in den Urlaub düste. Für den Rest ging es weiter, und nach einem kurzen Stop bei der Goldenen Möwe kamen schließlich alle sicher in Hamburg an. Und wer weiß, vielleicht kommen wir in fünf Jahren nochmal wieder und denken dann an diesen beiden tollen Wanderfahrten zurück.

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