Im Monat Mai auf dem Main in der Ruderbarke (17.-24.5.)
Text / Fotos: Hans-Heinrich Busse
„To Pingsten ach wie scheun, un de Natur so greun,
un all ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!“
Getreu nach diesem Motto machte sich eine Rudergruppe aus Elmshornern, Berlinerinnen, Lübeckerinnen, Hamburger Ruderinnen und Ruderern auf, um in der Ruderbarke eine zünftige Wanderfahrt auf dem Main, also in der grünen Natur der Frankenlandes durchzuführen und möglichst zu genießen.
Alle Zeltplätze bzw. Campingplätze entlang des Mains waren voll und zu Pfingsten ausgebucht, in der Vorwoche zogen wir mit unserer Rudergruppe nach Ochsenfurt in eine der historischen Altstädte mit ihrem nostalgischen Charme. Dem Alter der Gruppe entsprechend wählten wir für die Wanderfahrt am Main Strecken von 20 bis 30 km, hoffend, dass uns die Witterung keinen Streich spielen würde. Es wurde eine so sagenhaft sonnige Woche, dass Sonnenschutz nachgefasst werden musste. Die große Ruderbarke des Miltenberger RK mit ihren 10 Ruderplätzen war vorbestellt worden, ebenso wie Hotelquartiere und Restaurants unterwegs.
Jeden Tag hatte die Mannschaft zwei bis drei der großen Mainschleusen zu passieren, musste einige Male auf Gross- oder Kleinschifffahrt warten. Wenn keines der langen Motorschiffe geschleust werden sollte, bedienten einige Schleusenwärter nur die halbe Schleusenkammer und der ganze Vorgang konnte entsprechend reduziert werden. Der Main führte genügend Wasser, Sportboote waren relativ wenige unterwegs. In Yachthäfen oder aber auch an freien öffentlichen Stegen konnte unsere Barke über die Nacht festgezurrt werden. Bei den zahlreichen Rudervereinen konnten wir anlegen für eine Mittagspause mit Picknick.
Das liebliche Maintal bot allen ein sehr reizvolles Panorama und in verschiedenen Kleinstädten wie Sulzfeld, Eiblstadt, Randersacker auch Sandstrände, die wie extra für die Ruderbarke geschaffen zu sein schienen. In den Flussauen hatte man Spielplätze geschaffen in kleinen Parks, dazu Parkplätze. Die Kleinstädte gefielen dem Landdienst wegen der historischen Bauten in der Stadt, wegen der Stadttore, der Kirchen. An einigen Stadttoren waren die Fluten des Mains registriert und man konnte nur über diese sich anstauenden Wassermassen erschrocken sein. Der Main bot sich für uns Wanderruderer im Gegenteil als schöner Wasserweg an. Beliebt schien auch die Strecke entlang des Mains für Radfahrer zu sein, ganze Gruppen verbrachten die Tage auf dem Radel. Ebenso wie an Mosel, Weser oder Main wurden für die Campingfans oder Wohnmobilbesitzer jede Menge Plätze vorbehalten, die nach Auskunft der Besitzer zu den Pfingstfeiertagen total ausgebucht waren.
Bei den Voranmeldungen an den Rudervereinen wurden wir freundlich informiert über die Regelungen an Stegen und Bootshäuser. In Würzburg hatte die Wanderfahrergruppe unter Leitung von Ingrid und Horst Laugnitz es sich nicht nehmen lassen, uns am frühen Nachmittag mit einem Kaffee- bzw. Tee und Kuchenbuffet zu empfangen. Die dortige Gruppe der Barkenfahrer war gerade erst am Vortag von einer Tour mit der eigenen Ruderbarke in Berlin und Potsdam an den Main zurückgekehrt. In den früheren Jahren waren sie in Hamburg, in Litauen und in Lettland mit uns unterwegs gewesen. Dann kam der laue Abend am Main, besser auf der Römerbrücke unterhalb der Marienburg, schaffte eine besondere Atmosphäre mitten unter den Besuchern im Gespräch, die mit einem Viertele Wein an der Brüstung lehnten.
Nach Ochsenfurt und Würzburg erreichten wir nach Karlstadt, kamen anschließend nach Lohr und Marktheidenfeld. Auf dem Markt in Karlstadt fand am Mittwoch ein Feierliches Gelöbnis für neue Soldaten in der KTS Hammelburg statt und die Innenstadt war abgesperrt. Beim Freibad und beim Gang zum Anlegesteg des RK Karlstadt tauchte der Landdienst einer schweizerischen Rudergruppe aus Zug auf. Ihre drei Gig-Doppelvierer waren schneller als unsere Barke. Sie nahmen die Boote heraus und fuhren sie per Bootswagen zum Rasenplatz neben dem Bootshaus. Wir konnten die Barke an der Innenseite des Steges festbinden und mit langem Seil den Bug an den Bäumen sichern.
In dieser Gegend verengte sich das Maintal zusehends, an den Straßen wurden an den Steilhängen vor Steinschlag gewarnt. Wälder säumten das Flusstal, also gab es weniger Weinhänge oder Ackerflächen. Nebenflüsse wie in Gmünden führten dem Main Wasser zu, aus der Fränkischen Saale zum Beispiel oder die Tauber bei Wertheim. Beim Kanuverein konnten wir gut anlegen und eine Brotzeit genießen. Morgens wurden beim Frühstücksbuffet Brote oder Brötchen geschmiert und zum Mittagessen eingepackt. Jede Menge Mineralwasser wurde in der Barke gebunkert, eben der Wärme und Trockenheit wegen. Das verlangte der Körper aller Mitreisenden, weil wir ja schon etwas älter und erfahrener sind. Als der FL vor rund 50 Jahren mit der Ruderbarke aus Erlangen von Schweinfurt bis Miltenberg gerudert waren, stellte dies kein Problem dar.
Jeder Tag der Wanderfahrt brachte neue Eindrücke. Nach Würzburg gefiel uns allen besonders Marktheidenfeld mit seiner Mainterrasse, Hotel und Restaurant gleich nebeneinander. Mit einem Blick auf den Fluss etwas erhöht zu sitzen und Abendessen plus Getränk genießen schafft echte Glücksgefühle. Binnenschiffe aus Holland, Ungarn, Deutschland tuckerten auf- oder abwärts, eher selten eines der längeren Passagierschiffe. Auffallend oft stellten wir fest, dass es nicht nur guten Wein am Main entlang gab, sondern ebenfalls in den größeren Städten zahlreiche private Brauereien für den Bierkonsum. Also war für das leibliche Wohl überall gesorgt, auch für die liebliche Landschaft, lediglich für die Ritterburgen und Schlösser nahmen wir uns keine Zeit.
In Kreuzwehrtheim auf der nördlichen Mainseite nahm der Landdienst die Barkenmannschaft an der Rampe an, danach wurde das lange Boot auf den zugeführten Bootsanhänger aus Miltenberg aufgeslipt, alle Einzelteile herausgenommen und abgewaschen. Das Boot wurde auch ausgewaschen, das Wasser kam über das Loch bei der Leckschraube wieder heraus, einiges wurde auch abgepumpt. Dann hieß es sorgfältig einpacken und die Plane drüberziehen und befestigen. Den Transporteuren sprachen wir den Dank der Rudermannschaft aus. Einige Getränke und Eisportionen im nahen Biergarten erfrischten uns wieder, bis der letzte Gasthof in Laudental hinter Miltenberg aufgesucht werde konnte. Der ursprüngliche Plan hatte Miltenberg als Zielort vorgesehen, aber das Tempo dafür konnten wir nicht erreichen.
Für Kinder, Enkel und Vereinskameraden lohnt es über die schöne Mainwanderfahrt im Mai 2026 zu erzählen und Fotos zu bestaunen…
Hans-Heinrich Busse, 80 Jahre alt, RG Hansa



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