Finale! Olé!

Die Ruder-WM im Nathan Benderson Park ist vorbei. Das deutsche Team lieferte ein solides Ergebnis ab, sensationell war die Leistung von Tim Ole Naske, der am Sonntag ins Finale zog und den sechsten Platz machte. Die Zusammenfassung der WM in Florida.

Mit großer Spannung haben Hamburger Ruderfans nach Florida geschaut, wo letzte Woche die Ruder-Weltmeisterschaft in Sarasota stattfand. Im voll besetzen Feld des Männer-Einers – insgesamt acht Vorläufe standen auf dem Programm – konnte HANSA-Athlet Tim Ole Naske mit einem perfektem Start-Ziel-Sieg im Vorlauf ein Ausrufezeichen setzen. TOle dominierte das Rennen von Beginn an, auf der zweiten Streckenhälfte konnte er sogar Geschwindigkeit rausnehmen. Am Ende gewann der Schützling von Dirk (Brocky) Brockmann mit über einer Bootslänge Vorsprung. „Das war der perfekte Einstieg. Ich bin gut reingekommen und konnte technisch gut umsetzen, was im Trainingslager geübt wurde“, freute sich TOle nach dem Rennen.

Der 2. Regattatag

Am zweiten Renntag ging der Männer-Doppelzweier mit Ruben Steinhardt und Henrik Runge (Schlag) an den Start und kam auch gleich gut weg. Der Boot hängte sich auf den ersten 500 Metern an die favorisierten Neuseeländer. Danach mussten sie allerdings das Boot der starken Neuseeländer ziehen lassen, konnten aber die Drittplatzierten aus Bulgarien mit einer Bootslänge auf Distanz halten. Doch die Bulgaren konnten das Tempo erhöhen und zogen kurz vor dem Ziel an Ruben und Henrik vorbei. Als Dritte haben die Schützlinge von Karsten Timm die direkte Halbfinalqualifikation knapp verpasst, deshalb ging es am Mittwoch in den Hoffnungslauf.

Zweiter Sieg im zweiten Rennen für Naske

Im Viertelfinale zeigte Tim Ole, dass man mit ihm durchaus rechnen sollte. Direkt am Start setzte er sich mit einer halben Bootslänge vor den Rest des Feldes ab. Die Boote aus Polen und den Niederlanden konnten jedoch schnell aufschließen. Es entwickelte sich ein furioser  Dreikampf, und das Trio konnten sich Meter für Meter von der restlichen Konkurrenz absetzen, nach 1000 Metern hatten sie bereits vier Sekunden rausgefahren. Auf der zweiten Streckenhälfte musste TOle den Holländer Stefan Broenink ziehen lassen. Doch der Konter ließ nicht lange auf sich warten. Im Schlussspurt zog der HANSA-Athlet erneut am Niederländer vorbei und gewann mit zwei Sekunden Vorsprung.  „Hinten raus hab ich dann gemerkt, dass die anderen ihr Tempo nicht halten konnten und da dachte ich mir, ich probiere noch einmal einen Angriff“, sagte TOle.

Männer-Doppelzweier verpasst Finale

Auch das Feld der Doppelzweier war hochkarätig besetzt und extrem stark. Henrik Runge und Ruben Steinhardt im Männer-Doppelzweier mussten unter die ersten Zwei kommen, um das A-Finale zu erreichen. Das Rennen war von Beginn an eng, bei der 500-Meter-Marke lagen alle Boote fast gleichauf. Auf der zweiten Teilstrecke setzte sich die USA an die Spitze und verschärfte das Tempo. Dem deutschen Duo fiel es schwer, der Konkurrenz zu folgen. Nach 1500 Metern waren die Boote aus den USA, Niederlande und Kanada auf über drei Sekunden enteilt, Henrik und Ruben mussten kämpfen, aber mit Rang sechs hat es leider nicht für das Finale gereicht.

Hamburger Lars Wichert ist Fünftschnellster der Welt

Bereits mit dem ersten Finaleinzug in dieser Saison bei den Leichtgewichten hatte Lars Wichert (Ruder‐Club ‚Allemannia von 1866‘) sein Ziel erreicht. „Alles was jetzt kommt, ist Zugabe“ erklärte der Hamburger nach dem Halbfinale. Der 30-Jährige ging das Rennen beherzt an und lag nach 500 Metern auf der dritten Position. Dann kam die Stunde des Paul O‘ Donovan, der sich auf der nächsten Teilstrecke von Rang vier auf Platz eins vorschob und diese Position bis ins Ziel verteidigen konnte. Lars konnte das Tempo nicht mehr mitgehen und musste die Konkurrenz ziehen lassen, den Brasilianer Uncas Batista konnte er aber in Schach halten. Als Fünftschnellster der Welt beendet Lars die WM in Florida, ein toller Erfolg. „Ich habe versucht, die Chance zu nutzen und vorne mitzugehen. Der Abstand war am Ende zu groß, aber wenn man allein das Ergebnis betrachtet, ist der fünfte Platz ganz in Ordnung“, freute er sich dennoch.

Tim Ole Naske erfüllt sich Finaltraum

Nach zwei Siegen in zwei Rennen wollte Tim Ole (Ruder‐Gesellschaft Hansa e.V .) den Finaleinzug im Einer bei seiner ersten A-WM klar machen. Der Youngster ließ von Beginn an keine Zweifel an dieser Mission aufkommen und fuhr ein taktisch kluges und beherztes Rennen. Wie bereits im Viertelfinale gab der Hamburger auf den ersten 500 Metern das Tempo vor. Auf der zweiten Teilstrecke konnte sich der Kroate Martin Damir mit einer Bootslänge absetzen, TOle ordnete sich hinter dem Briten Tom Barras auf Rang drei ein. Im Endspurt bewahrte der 21-Jährige einen kühlen Kopf, konnte sogar fast auf den Kroaten aufschließen und überquerte als Dritter die Ziellinie. Sensationell! „Ich hab mein Ziel erreicht, es war das härteste, aber definitiv nicht das beste Rennen in meiner jungen Karriere. Jetzt freue ich mich einfach nur auf dieses großartig besetzte Finale und das ich Teil davon sein darf“, erklärte ein glücklicher TOle.

Im Finale gegen übermächtige Konkurrenz und große Namen hat es  TOle nicht leicht gehabt. Wie immer setzte er sich zum Start gleich ab und lieferte ein technisch gutes Rennen. Doch der Tscheche Ondrei Synek wie auch der Kubaner Angel Fournier Rodriguez setzen sich zur 1000 Meter Marke vom Rest des Feldes ab. Ein Kampf um den dritten Platz entbrannte zwischen dem Neuseeländer und Weltbestzeithalter Robby Manson, den Kroaten und olympischen Goldmedaillisten Damir Martin sowie Tom Barras, den jungen Newcomer aus Großbritannien. Am Ende gewann Synek souverän vor Rodriguez, Dritter wurde mit hauchdünnen Vorsprung Tom Barras gefolgt von Damir Martin, Robby Manson und TOle.

Für den jungen HANSA-Athleten ist das mehr als ein Achtungserfolg – zählt er jetzt mit nur 21 Jahren bereits zu den sechs weltbesten Skullern im Einer. Und wer hätte das vor einem Jahr gedacht, dass Tim Ole Naske neben Damir Martin, Ondrei Synek, Angel Rodriguez und Robby Manson im WM-Finale rudern würde? Für die meisten Teilnehmer ist das jedoch die erste Zwischenstation, eine wichtige Etappe auf den Weg zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. Bis dahin fließt noch viel Wasser die Alster runter. Und wer TOle kennt, der weiß, wie zielstrebig er sein kann.

Das sehenswerte Finale gibt es hier als Video:

A-Finale Sarasota 2017 mit TOle

 

WM-Florida 2017

Schnell raus: TOle versucht fast immer sehr schnell vom Start rauszufahren. Er versucht das Tempo so lange wie möglich zu halten. Aber auch sein Endspurt ist gefürchtet.

WM-Florida 2017

Gute Leistung: Henrik und Ruben kamen als Doppelzweier im C-Finale auf den dritten Platz.

WM-Florida 2017

Perfekte Anlage: Die neu erbaute Regattaanlage in Nathan Benderson Park, Sarasota, bot hervorragende Bedingungen für die Elite der Weltruderer.

WM-Florida 2017

Sicherer Favorit: Ondrej Synek aus Tschechien. Er war in Florida kaum zu schlagen und kam im Finale locker als Erster durchs Ziel.

WM-Florida 2017

Zählt zu den besten: Lars Wichert im Leichten Einer.

WM-Florida 2017

Geschafft: Fast eine Sensation ist der Einzug von Tim Ole Naske ins Finale der Einer.

New Kid on the Block: Der Brite Tom Barras wurde überraschend Dritter.

 

 

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