Eine „besondere“ Wanderfahrt

Organisiert von unserem mit über 90 Jahren derzeit ältestem Mitglied Heinz Grünewald, der zu seinen Ex-Rot-Gelb-Mannen 2 Alt-Hanseaten eingeladen hatte, um die Barken-Besatzung für die jährliche Berlin-Wanderfahrt zu vervollständigen. Aber das war nicht das Besondere, sondern die Tatsache, dass auch die Ehefrauen der Ruderer an dem Berlin-Ausflug teilnehmen konnten. Das war für unsere Frauen ganz neu. Sie konnten sich aber mit den netten Damen, die das schon kannten, gut anfreunden.

Als Ruderstrecke hatte Heinz die Griebnitz-Rundfahrt ausgewählt.
Beginn bei der Wassersport-Gesellschaft Berlin am Kleinen Wannsee, weiter durch den Pohlesee, Stölpchensee, Griebnitzsee, über Teltowkanal und Havel zum Großen Wannsee. Dann die Pfaueninsel passierend, rüber nach Kladow zur Mittagspause und später an Kälberwerder und Schwanenwerder vorbei wieder zum Ausgangspunkt.

Und das alles bei herrlichem Ruderwetter – allen Vorhersagen zum trotz.

Am 2. Tag ruderten wir die Strecke in Gegenrichtung. Und das war für uns Rückwärtsfahrer eine völlig neue Sichtweise, als wenn es eine neue Strecke wäre. Diese Hin- und Rückfahrt kann ich nur empfehlen. (natürlich nicht unbedingt bei Strömung.) Hier wurde uns auch unsere kulturelle Einlage präsentiert, nämlich anlässlich der Mittagspause bei der Heilandskirche von Sacrow.
Gut zum Anlegen, mit dem Bug auf den kleinen Sandstrand.
Ich möchte hier eine kleine Beschreibung der Besonderheiten einfügen.


Der preußische König Friedrich Wilhelm IV kauftte das Gut Sacrow 1840 und ließ durch seinen Architekten Persius an einer Bucht der Havel eine dreischiffige Basilika mit einem freistehenden Campanile , die heutige Heilandskirche bauen. Sie wurde malerisch in die Havellandschaft eingefügt, wobei der Gartenarchitekt Lennè Sichtachsen schuf, die den Blick zum Jägerhof und dem Casino im Glienicker Park, zum Flatoturm in Babelsberg, zur Garnisonskirche und zum Neuen Garten lenkten.
Ende des Jahres 1961 wurde die gesamte Inneneinrichtung der Kirche von den DDR-Grenztruppen zerstört, da sie im Niemandsland hinter der Berliner Mauer lag, um Flüchtlingen keinen Schutz zu bieten. Fortan verfiel der Bau zusehends.

Im Jahre 1985 wurde eine diplomatische Rettungsaktion für das landschaftsgärtnerische Äußere gestartet. Im Nachhinein wurde dann mit „Westgeld“ des Berliner Senats das Dach abgedichtet und in der Folgezeit der Innenraum und das Interieur rekonstruiert. Das nahm viele Jahre in Anspruch. 2009 wurde noch eine neue Orgel eingebaut, so dass heute auch wieder Konzerte stattfinden, wobei die Heilandskirche nur zu Fuß oder per Schiff zu erreichen ist. Ach ja, für Ruderer und Radfahrer natürlich auch ein beliebtes Ziel.

Nach Verzehren unserer Lunchpakete, die im Hotel „Petit“ beim Frühstück inkludiert waren, ging die Fahrt bei bestem Wetter weiter und endete wieder bei der WSG. Das Slippen der Barke gestaltete sich etwas schwierig, aber Dank der Hilfe zweier Vereinsangehöriger wurde es letztlich doch gut gemeistert.

Nun ein Wort zum „Damenprogramm“, das von ihnen selbst gestaltet wurde. Zunächst noch eine für uns Alt-Hanseaten Besonderheit. Zum Start trafen sich alle Teilnehmer pünktlich um 9 Uhr vor dem Hotel und jeder Ruderer verabschiedete sich mit Küsschen links/rechts von allen Damen. Das wurde in den nächsten Tagen auch zur Begrüßung noch mehrfach wiederholt.

Am ersten Tag machten die Damen eine Seen-Rundfahrt, wobei man durch Zufall hinter der Wannseebrücke gleich den Ruderern in der Barke begegnete und alle konnten ordentlich Winke Winke machen. Die Fahrt machte ihren Verlauf durch die Seen, die auch die Männer durchruderten. Auf der Pfaueninsel wurde eine Besichtigungspause eingelegt.
Später stand noch ein Besuch des Liebermannhauses mit seinem romantischen Garten am Großen Wannsee an.

Am zweiten Tag wurde ein Ausflug nach Potsdam gemacht, verbunden mit einer Stadtrundfahrt unter Berücksichtigung der zahlreichen dortigen Sehenswürdigkeiten wie Schloß Sanssouci, Orangerie, Neues Palais, Brandenburger Tor usw. Einige Damen besuchten auch noch das neugestaltete Museum Barberini und Ende war natürlich nachmittags mit Kaffee und Kuchen und Eis „aber bitte mit Sahne“.

Am Abend trafen sich dann immer alle zum gemeinsamen Abendessen bei dem „besonderen“ Koch unseres Hotels. (Alles mit Fleisch von Angus-Rindern und selbstgeschossenen Wildschweinen und nur natürlichen, biologischen Zutaten.)

Als Fazit möchte ich sagen, dass es eine sehr freundschaftliche, angenehme Wanderfahrt war, bei der es auch sehr diszipliniert zuging und wir als Alt-Hanseaten (Manfred Heuschkel und Jürgen Schröder) auch manches für uns Neue kennenlernten.

Die Ruderer der Ex-R.G. waren: Heinz Grünewald, Hannes Pütz, Hans-Jürgen Wullbieter, Hans-Peter Wüst, Hans-Rüdiger Koop, Michael Wulfram, Peter Buck, Uve Löser und last but not least Werner Stark  Als Käpt`n im Boot.

Und natürlich all die netten Damen Elke, Renate, Sylvia, Christel Elna, Dasy sowie Karin und Christel.

Bericht: Jürgen Schröder, Bilder: Uve Löser.

 

 

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